Die Ziehmestalbrücke in Remptendorf



Die hundertjährige Ziehmestalbrücke, die wir auf unserer Wanderung unterqueren, ist sicher das interessanteste Bauwerk der Eisenbahnstrecke Triptis - Blankenstein. Zum Bau der für das Oberland so wichtigen Bahnlinie war es erst nach jahrzehntelanger Verzögerung gekommen. Schon 1829 war eine sehr günstige Streckenführung nahe der alten Handelsstraße von Leipzig über Schleiz und Lobenstein nach Bayern vorgeschlagen worden. Doch die Eisenbahnmächte Bayern, Preußen und Sachsen interessierten sich wenig für die reußischen Zwergstaaten an ihrem Randgebiet.

Erst als Sachsen eine Bahn von Hirschberg nach Lobenstein plante, drängte Preußen auf den Bau der Linie Triptis - Blankenstein, also an den Anschluß an die preußischen Hauptstrecken. Auch nach dem Staatsvertrag der beteiligten Länder von 1887 gab es großen Widerstand von Bauern und Gemeinden, die Flurstücke abtreten sollten.

So kam es schließlich zu einer Streckenführung entlang unwegsamer Talhänge, die Stützmauern, Tunnelbauten und schwierige Brückenkonstruktionen erforderlich machte. Das verteuerte den Bau, ließ aber eine Eisenbahnlinie entstehen, die bergbahnähnlichen Charakter hat und eine Attraktion für Touristen sein könnte. Der Bau einer Brücke über das abgelegene Ziehmestal war eine besondere Herausforderung. Eine Steinbrücke wäre schon wegen des schwierigen Materialtransports sehr teuer geworden, deshalb entschied man sich für die damals modernste Technologie, eine Stahlkonstruktion.

Im Herbst 1893 begann der Bau der Fundamente und Widerlager, und ein Jahr später konnte der „Ziegenrücker Kreisanzeiger“ berichten: „Ein schwieriges Stück Arbeit, der eiserne Viadukt ... ist im Laufe der vergangenen sechs Monate fertiggestellt worden. Diese vollständig in Eisenkonstruktion ausgeführte Brücke ist in Eschweiler bei Aachen hergestellt worden und hat ein Gesamtgewicht von 5.600 Centnern. Sie ruht auf 5 eisernen Pfeilern, von denen jeder aus 4 etwas schräg stehenden Säulen besteht, die mehrmals horizontal und gekreuzt verankert sind. ... Beim Bau dieses Viadukts war der Umstand erschwerend, daß dieselbe in einer mäßigen Kurve läuft. ... Die Brücke, auf welcher bereits der Schienenstrang liegt, macht einen wirklich großartigen Eindruck und ist ein sehenswertes Meisterwerk der Eisenindustrie und zugleich der Baukunst.“

Im Juni 1895 fand die vorschriftsmäßige Erprobung der 115 Meter langen und 32 Meter hohen Brücke durch 3 aneinandergekoppelte Lokomotiven statt. In den inzwischen mehr als 100 Jahren seit seiner Einweihung ist das grazile Bauwerk mehrfach verstärkt und renoviert worden. Heute steht die Ziehmestalbrücke unter Denkmalsschutz.

 

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