Schiefer – das blaue Gold

Die Dörfer sind blauschwarz. Ob Familienhaus oder Neubaublock, alles sieht aus wie in Tinte geraucht. Nicht Rauch und Ruß sind schuld, sondern die Bauherren selbst. Sie haben Dächer und Fassaden mit einem besonderen Gestein täfeln lassen: mit Schiefer. Das hat im Thüringischen eine große Tradition.

Die Schieferstraße verbindet seit elf Jahren die schönsten Schiefer-Ortschaften Thüringens und Frankens. Sie führt auch an Zentren der Schiefergewinnung und –verarbeitung vorbei. An manchen der Abbaustätten, etwa bei Haselbach, Spechtsbrunn oder Leutenberg läßt sich neben dem blauen Gold, wie Schiefer auch genannt wird, sogar funkelndes Katzengold (Pyrit) finden.

Ein Lehrpfad verbindet einige der bergmännischen Anlagen. Er führt von Probstzella aus durch die Landschaft der Naturparks Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald nach Ludwigstadt.

Diese Schieferstadt war einst ein Zentrum der Tafelfabrikation. Ein Museum zeigt, wie Handwerker oder Industriebetriebe Schreibtafeln herstellten, auf denen einst die Schüler in Deutschland das Schreiben lernten. Die dazugehörigen Griffel und ihre Herstellungsgeschichte sind in einem Museum in Steinach zu finden.

Die Technik des Schieferabbaus können Besucher am besten im „Technischen Denkmal“ des historischen Schiefertagebaus in Lehesten erleben. Am Grund der 70 Meter tiefen aufgelassenen Grube schimmert ein bläulicher See, an den schrägen spießt helles Birkengrün.

Die Feuerschutzgesetze von Anfang des 19. Jahrhunderts bescherten dem Schieferabbau einen großen Aufschwung, erklärte Touristenführer Jochen Werner – Schiefer ist nicht entzündlich.

Bis zu 2500 Menschen hätten zur Blütezeit um das Jahr 1900 Arbeit in dem Werk gefunden. Dazu gehörte auch die kürzlich restaurierte Spalthütte, in der Besucher selbst Schiefergestein spalten und zu Dachplatten schneiden können.

Die Schachtanlage wurde erst mit Pferden, dann mit einer Dampfmaschine betrieben. Später förderte ein Elektromotor das Gestein ans Tageslicht. Er läuft noch heute. In den 15 km langen Stollen der 1964 geschlossenen Grube sind Spaziergänge indes nicht möglich. Es befindet sich Wasser darin.

Ähnliches gilt für eine nahe gelegene Schachtanlage, die noch bis vor 4 Jahren Schiefer förderte. Der Hinweis auf das Besucherbergwerk ist mit Klebeband überklebt.

Der Betrieb kostete rund 200 000 Euro im Jahr, allein das Abpumpen des Wassers 50 000. Erst wenn das Land Fördermittel bereitstellt, kann der Schacht wieder geöffnet werden.

Um einen anderen Teil der Tradition müssen Touristen aber nicht fürchten: Fassaden und Dächer werden auch künftig nach allen Regeln der Kunst mit Schiefer getäfelt werden. Darum kümmert sich die älteste deutsche Dachdeckerschule in Lehesten.

120 Lehrlinge legen hier jährlich ihre Gesellenprüfung ab. Beim Decken verwenden die Handwerker heut aber zumeist ausländischen Schiefer. Deutscher Schiefer gilt als zu teuer. So hat der heimische Schiefer fast nur noch touristische Bedeutung.

Fremdenverkehrserband Thüringer Schiefergebirge – Obere Saale
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Technisches Denkmal „Historischer Schieferbergbau“

Im Technischen Denkmal „Historischer Schieferbergbau“ wird alles Wissenswerte über Gewinnung und Verarbeitung des seltenen Materials vermittelt, die einzelnen Arbeitsgänge und Werkzeuge vorgeführt und die Gelegenheit geboten, auch mal selbst anzupacken.
Eine am Originalstandort erhaltene Pferdegöpel-Schachtanlage, die so in Europa einzigartig ist und eine historische Spalthütte sind -liebevoll restauriert- zu besichtigen.

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